Das Wort zur Stechmücke

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Ich bin die Stechfliege, die Gott in diese Stadt gesetzt hat, und den ganzen Tag lang und an allen Stellen wecke ich euch auf; überrede euch und mache euch Vorwürfe. Ihr werdet nicht so bald einen anderen finden wie mich, und daher rate ich euch, mich zu schonen. Wenn ihr nach mir schlagt und mich vorschnell tötet, dann werdet ihr für den Rest eures Lebens schlafen, außer wenn Gott in seiner Weisheit euch eine andere Stechmücke schickt. — Sokrates

! Bitte mehr Biss !

Sommerzeit – Reisezeit

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Nicht in die Ferne, in die Tiefe sollst du reisen

Die wesentlichste Aufgabe, die dir vom Leben zugewiesen ist, ist die Suche nach dir selbst, nach deinem Selbst. Aber die Menschen hören nicht auf die Mahnung des Lebens, bei sich selber einzukehren und sich in Beziehung zum inneren Ozean der Weisheit zu bringen. Sie schweifen lieber umher, um einen Becher Wasser aus dem Behälter des Nachbarn zu erbetteln. Dennoch gilt, daß wir oft allein sein müssen, um uns selber zu finden.

Die Seele ist kein Reisender. Der Weise bleibt zu Hause. Wer reist, um die Zeit zu vertreiben oder das zu suchen, was er noch nicht hat, reist von sich selber weg. Daheim träumt er, daß er in Neapel oder Rom schönheitstrunken sein werde. Er packt seine Koffer, fährt hin, wacht in Neapel auf – und da tritt ihm dasselbe Ich gegenüber, dem er entfliehen wollte.

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Das Wort zum Dichter: Es werde Licht!

Der Dichter tritt in einen dunklen Raum, mit einer Fackel in der Hand, und macht seit eh und je dagewesene, aber unsichtbare Dinge sichtbar.

Zenta Maurina

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Jeder große Geist wirkt wie eine Fackel, ein Scheinwerfer (in der Nacht, denn das Allgemeine ist Nacht); einige nun sind Scheinwerfer, die den Orkus beleuchten; und die dienen der Menschheit auch. (Wie, wo ein Loch oder ein Trümmerhaufen sich findet auf dem Fahrweg, nachts eine Laterne steht; – die grausigen Gebirgsklüfte beleuchten, wo es unwegsam und unfruchtbar ist.)

Ludwig Hohl

Jörg Immendorf ist gestern gestorben

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Jörg Immendorf
14. Juni 1945 – 28. Mai 2007

Jörg Immendorf ist gestern gestorben. Damit haben die schwarzen Gullys des Todes einen entbehrlich Unentbehrlichen mehr verschluckt. Mit seiner Kunst kann ich nicht viel anfangen, ist mir zu politisch-plakativ, spricht nicht zu mir, erreicht mich irgendwie nicht, mit seinem Lebensmut und seiner Lebenskunst allerdings umso mehr. Ich verneige mich in Ehrfurcht vor diesem außergewöhnlich kreativen und ungewöhnlich kämpferischen Menschen. Davon gibt es definitiv zu wenige auf diesem Planeten, auf den es aus unerfindlichen Gründen auch mich verschlagen hat. Die meisten scheißen sich schon in die Hose, bevor noch ein Befehl ergangen ist. Sie zu kontrollieren bedarf es keiner Armee, die Ängste in ihren Köpfen halten sie perfekter unter Kontrolle als jede Polizei.

Wenn wir erkennen würden, wie tot „lebendige“ Menschen sind, wären wir, angestachelt von Verzweiflung, vielleicht eher bereit, mehr zu riskieren.

David Cooper, engl. Psychiater

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500 weise Worte wirken weiter

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Ich finde, fremde, kluge Gedanken weitergeben und weiterverwenden besser als eigene törichte zu produzieren, wie es das Feuilletonisten-Geschmeiß im allgemeinen macht.

Gottfried Benn

Nach extremen Schwierigkeiten, meine Eisbrecher-Bibliothek vom englischen auf das deutsche WordPress umzustellen, kann ich mich jetzt erfreulicherweise wieder mehr dem Geist und Gehalt als den Bits und Bytes widmen. Es ist keine zwei Wochen her, da feierten wir das 400er-Jubiläum, und heute gibt es bereits von 500 weisen Worten in der Eisbrecher-Bibliothek zu berichten. Bleibt nur zu hoffen, daß meine Mühe nicht vergebens ist und die Worte nicht folgenlos bleiben.

Eine Wahrheit kann erst wirken, wenn der Empfänger für sie reif ist. Nur im vorbereiteten Herzen kann ein neuer Gedanke Wurzel fassen und groß werden. Sich vorbereiten, sich zubereiten, den Acker lockern für das beste Korn, ist alles.

Christian Morgenstern