Das Wort zum Eingang zur Hölle

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Verlassen sind wir doch wie verirrte Kinder im Wald. Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst, was weißt Du von den Schmerzen, die in mir sind und was weiß ich von den Deinen. Und wenn ich mich vor Dir niederwerfen würde und weinen und erzählen, was wüßtest Du von mir mehr als von der Hölle, wenn Dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich. Schon darum sollten wir Menschen vor einander so ehrfürchtig, so nachdenklich, so liebend stehn wie vor dem Eingang zur Hölle.

Franz Kafka

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Im Nebel

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Im Nebel

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

Hermann Hesse

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Im Niemandsland zwischen Leben und Tod

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Wir ordnen’s, es zerfällt.
Wir ordnen’s wieder – und zerfallen selbst.

Rainer Maria Rilke

Den letzten Beitrag hier schrieb ich am 11. Oktober, also vor langen acht Wochen. Das hat seine schlechten Gründe: Tod, Tod, Tod, Tod und noch einmal Tod. Tod meiner Tante (sprich zweiter Mutter), Tod meines Vaters, Tod meiner Mutter, Tod meines Rechtsanwalts und Freundes Reiner, Tod meines Vetters Willi. Damit habe ich fünf Tote in nur einem einzigen Jahr begraben. Rein statistisch gesehen, möchte man meinen, ist das unmöglich. Aber wie Toyota weiß und wie uns das Leben lehrt: Nichts ist unmöglich.

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Wir schulden den Menschen den Menschen

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Wir schulden den Menschen höheren Beistand als Arbeit, Nahrung und Geld. Wir schulden den Menschen den Menschen. Wenn der Mensch heute weithin krank ist, behindert und verzagt, vereinsamt, ablehnend, so deshalb, weil ihm so viel von seiner Natur widerrechtlich vorenthalten ist. Du solltest ihn in seinem selbstgeschaffenen Gefängnis aufsuchen, die bösen Geister austreiben – nicht mit zaghaftem Bedauern, sondern mit männlichem Zuspruch. Gehe zu ihm reinen Herzens, voll Mut und mit dem Glauben an ihn!

Ralph Waldo Emerson

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