Lesenswert : Netzgeschichten 6 oder Eine Nation verblödet

Facebook ist das Opium unserer Generation. Für einsame Menschen, die sich der Illusion hingeben, wichtig zu sein. – Frédéric Beigbeder

Man kann die Erfahrung nicht früh genug machen, wie entbehrlich man in der Welt ist. – Goethe

Eine Nation verblödet

Netzgeschichten 5 oder #DeleteFacebook – haben Sie Facebook inzwischen gelöscht? Natürlich nicht. Haben Sie sich das Rauchen inzwischen abgewöhnt? Natürlich nicht. Haben Sie das Saufen inzwischen aufgegeben? Natürlich nicht. Und die Fressorgien inzwischen eingestellt? Natürlich nicht. Der Mensch hat schon ein eigenartiges Talent, sein kostbares und einzigartiges Leben zu ruinieren. Das macht ihm so leicht kein anderes Tier nach.

Alles, alles rächt sich erst nachträglich! Deshalb glauben so viele, daß sie fein raus sind, obzwar sie zehn Jahre später unfein dran sind! – Peter Altenberg

Jaron Lanier, Tech-Guru und Vordenker des Internets, liefert zehn bestechende Gründe, warum wir mit Social Media Schluss machen müssen. Facebook, Google & Co. überwachen uns, manipulieren unser Verhalten, machen Politik unmöglich und uns zu ekligen, rechthaberischen Menschen. Social Media ist ein allgegenwärtiger Käfig geworden, dem wir nicht entfliehen können. Lanier hat ein aufrüttelndes Buch geschrieben, das seine Erkenntnisse als Insider des Silicon Valleys wiedergibt und dazu anregt, das eigenen Verhalten in den sozialen Netzwerken zu überdenken. Wenn wir den Kampf mit dem Wahnsinn unserer Zeit nicht verlieren wollen, bleibt uns nur eine Möglichkeit: Löschen wir all unsere Accounts! – Amazon

Die Zahl des Tages : 88

Der einstige Tech-Guru Jaron Lanier plädiert in seinem neuen Buch dafür, sich von sozialen Netzwerken zu verabschieden: Die Webdienste füllten ihre Nutzer mit dem Zorn der Unsicherheit – mit drastischen Konsequenzen. Der folgende Buchauszug stammt aus Laniers neuem Buch „Zehn Gründe, warum du deine Social-Media-Accounts sofort löschen musst“ – aus Kapitel 9, „Social Media macht Politik unmöglich“.

Es kam zu einer Explosion nihilistischen Terrors im Internet. Junge Leute schauten sich die schrecklichsten, sadistischsten Videos an, die ihnen über Silicon-Valley-Unternehmen geliefert wurden, und es entstand eine Dynamik ähnlich wie bei Pornografie: Die jungen Leuten wurden zu Gräuelsüchtigen. Auch das hat es leider schon immer gegeben, aber früher waren das organisierte Gräuel. Die vielen Schlachtfelder der Geschichte haben wir organisierten Banden zu verdanken, aber jetzt waren es Einzelgänger am Rechner, die sich selbst radikalisierten. Spiegel

Unentwegt spucken die digitalen Stalinorgeln
ihre „Breaking News“ aus

Jeder kennt die alltäglichen Szenen, in denen mehrere Menschen gemeinsam am Tisch sitzen und alle wie gebannt auf ihre Smartphones starren. Der Mensch als Anhängsel der Maschine, an der Leine – online. Bleibt die Frage zu stellen, was eigentlich mit uns geschieht, während wir bei jeder Gelegenheit googeln, twittern, simsen, tickern, downloaden, forwarden, bloggen, glotzen oder talken. Verblöden wir allmählich?

Täglich, ja beinahe stündlich findet der sprichwörtlich gewordene „Wutbürger“ neuen Stoff für seine schwankende, hoch mobile Empörungsbereitschaft. Eine Waffenruhe gibt es in der Mediengesellschaft nicht mehr, keine Feuerpause zwischen Montags- und Dienstagszeitung, zwischen Frühstücksfernsehen und Mittagsmagazin. Dass die Welt schlecht, böse, gefährlich und weitestgehend wahnsinnig ist, erfahren wir inzwischen im Minutentakt. Unentwegt spucken die digitalen Stalinorgeln ihre „Breaking News“ aus. – Cicero

Das eine Video ist zu Ende, und schon startet das nächste: Wer wie ich öfter YouTube auf dem Smartphone nutzt, ahnt, warum es manchem Nutzer schwerfällt, den Absprung zu schaffen. Die standardmäßig aktivierte Autoplay-Funktion schiebt Clip nach Clip auf den Handybildschirm. Im schlimmsten Fall, bis sich der Mobilfunkprovider meldet: Datenvolumen verbraucht, bitte nachkaufen. Dass viele Nutzer sehr oft und sehr lange Videos auf YouTube anschauen, ist der Mutterfirma Google natürlich recht: Sie verdient viel Geld damit, zu den Videos möglichst passende Werbung anzuzeigen. – Spiegel


Die Zahl des Tages : 88

Wir verschleißen Handy um Handy. Doch statt dies weiter hinzunehmen, setzen die smarten Telefone zur Gegenwehr an. Es drohen: kaputter Nacken und verbranntes Gesäß. Studien in den USA zeigen: Die Zahl der Unfälle mit Beteiligung von smartphonenutzenden Fußgängern nimmt stetig zu.

Weil wir den Blick nicht von ihnen lassen können, beugen, drehen und bücken wir uns derart stark, dass die Gelenke darunter leiden. Eine nicht repräsentative Studie unter Universitätsangehörigen in Ontario ergab, dass 84 Prozent der 140 Studienteilnehmer nach der ausgiebigen Nutzung ihrer Smartphones über Schmerzen klagten (Applied Ergonomics: Berelo et al., 2011). Besonders betroffen: der Nacken. Wiegt der Kopf eines Erwachsenen in der neutralen, senkrechten Kopfposition zwischen 4,5 und 5,5 Kilogramm, erhöht sich durch die Zugkräfte beim Vornüberbeugen das Gewicht, das auf die Halswirbelsäule wirkt, auf mehr als 20 Kilo, mitunter sogar auf fast 30 Kilo. Wer sich ständig über das Display beugt, riskiert daher Verschleißerscheinungen und eine vorzeitig gealterte Halswirbelsäule. – WELT

Die Menschen rennen weg vor ihrer Trauer, sie haben Angst. Deswegen konsumieren sie immer mehr: Musik, Alkohol, Lebensmittel, das Internet. Sie konsumieren nicht, weil es nötig ist. Sondern weil sie ihre Einsamkeit nicht aushalten, die Leere in ihrem Inneren. – Thich Nhat Hanh

Das Internet stört: Es nervt die Leute, die Politiker, alle. Doch noch immer ist es auch Ort für Teilhabe, Aktivismus und Selbstfindung. Drei Menschen berichten.

Ich bin eine Dragqueen. Auf YouTube lade ich ein bis zwei Mal die Woche Videos hoch. Erst durch das Internet habe ich meiner Drag-Persona den Feinschliff geben können. An diesen Punkt wäre ich ohne das Internet nicht gekommen. Leute schreiben mir oft Nachrichten: „Ich will mich outen, aber wie?“ Denen sage ich, dass sie sich outen sollen, wenn sie cool damit sind. Wenn sie es akzeptiert haben. Und genau bei dieser Akzeptanz des eigenen Lebens können auch diese Onlinecommunitys helfen. – ZEIT

Der aufrechte Gang gilt als entscheidender Schritt in der Evolution. Seit ein paar Jahren läuft und sitzt der Mensch nun eher gebeugt über dem Smartphone, um auf dem neuesten Stand zu bleiben oder gar den entscheidenden Schritt voraus zu sein. Die Begleiterscheinung: der Smartphone-Nacken. Wer auf sein Handy schaut, senkt den Kopf meist um gut 45 Grad. Macht locker 20 Kilogramm mehr Gewicht, die der Rücken zu stemmen hat, also etwa so viel wie ein Kasten Wasser wiegt. – FAZ

Phubbing? Nein Danke!

Im Alltag muss man heutzutage oft um die Aufmerksamkeit des Gegenübers kämpfen. Denn in dessen Handy oder Tablet lockt die ganze weite Welt da draußen. In der Gesprächsrunde schnell noch mal die Mails checken, twittern, chatten oder ein Foto posten: Seitdem Handys hochleistungsstarke Computer im Taschenformat sind, können wir jederzeit und überall mit der Welt vernetzt sein. Und vergessen dabei schnell die Menschen direkt vor uns. Benimm-Experten wie Inge Wolff aus Bielefeld sprechen von einer „neuen Form der Unhöflichkeit“. Die Beschäftigung mit Smartphones und Tablets in Gesellschaft anderer brüskiere Mitmenschen und sei rücksichtslos.

„Klarer kann ich Missachtung gar nicht darstellen“, urteilt Inge Wolff, Vorsitzende des Arbeitskreises Umgangsformen International. Denn die unterschwellige Botschaft ist eindeutig: „Du, Mensch mir gegenüber, bist mir unwichtig.“ Für die Knigge-Expertin ist klar: Die anwesende Person verdient immer die volle Aufmerksamkeit, egal ob es sich um enge Freunde oder Unbekannte handelt. „Auch wenn ich drei Brötchen bestelle und gleich weiter aufs Handy-Display schaue, ist das extrem unhöflich der Verkäuferin gegenüber.“ – SWP

Du bist in jedem Augenblicke neu;
drum sei dem Alten nicht zu knechtisch treu.
Und war dein Herz bis heut wie Kohle schwarz –
du hast die Macht: und es wird weiß wie Quarz.
Christian Morgenstern

Snowy White’s Blues Agency – Change My Life

Facebook stolpert seit Jahren von einem Datenschutz-, Haßkommentar- & Rassismus-Skandal in den nächsten – und die User stolpern & stottern mit. Ich nicht. Statt drei Stunden täglich in sozialen Netzwerken zu vergeuden (das ist der gegenwärtige Durchschnittswert) sehe ich mir lieber zwei gute Filme an, lese feine Bücher, höre spannende oder lehrreiche Audiobooks, lausche cooler Musik. Statt eines degenerierten digitalen Lifestyles pflege ich einen humanistisch anspruchsvollen Lebensstil. Und Sie?

Jeder Tag ist ein Baustein
für die Ruine oder Kathedrale meines Lebens.
Rudi Lehnert

Hosea Hargrove – I Love My Life

Eine Nation verblödet

Das Beste ist die tiefe Stille, in der ich gegen die Welt lebe und wachse und gewinne, was sie mir mit Feuer und Schwert nicht nehmen können. – Goethe

Herzlich : Lesenswert : Willkommen

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Autor: Rudi

Ich heisse Rudi Lehnert, bin von Beruf(ung) LifeWorker (Psychologe) und mit Leidenschaft WebWorker und das ist mein Credo : love2live – live2love