Liebe wird oft überbewertet – behauptet Christiane Rösinger

Ein schrullig-charmantes Buch über die traurigste Sache der Welt. Darüber, dass Beziehungen öfter scheitern als gelingen. – FAZ

„Die Ehe wird oft überbewertet“ wäre mir als Titel lieber. Auch ich bin ein erbitterter Feind der Ehe, die eher eine Leidens- denn Lebensform ist. Halt was für Masochisten. Und da ich kein Masochist bin, habe ich nie geheiratet. Und wurde trotzdem von Frauen heiß geliebt und reichlich verwöhnt. Was die Liebe betrifft, halte ich es glasklar mit Sibylle Berg: „Alles außer der Liebe ist überbewertet. Sie ist das Einzige, das die Menschheit vor dem Untergang bewahren kann. Denn wer liebt, will, daß es dem Geliebten gut geht, daß es dem Kind gut geht, der Familie oder dem Freund.“

Christiane Rösinger

Christiane Rösinger, geboren am 6. Januar 1961 in Rastatt, ist eine deutsche Musikerin und Journalistin.

Die romantische Komödie zementiert die heterosexuell-paarnormative Zwangsmatrix. Schon Jugendliche werden so darauf abgerichtet, den Irrglauben zu übernehmen, der Sinn des Lebens bestehe darin, sich zum unschönen Paar zusammenzuklumpen. Wohlweislich gilt bei der romantischen Komödie die Grundregel: Beim Happy End wird abgeblend’! Die Langeweile der Beziehung oder Dürftigkeit der Ehe, die auf das langwierige Sich-Finden des Paares folgt, wird aus gutem Grund ausgespart.

Es ist absurd: Autonome Menschen tun sich freiwillig zusammen und werden zu mobilen Paargefängnissen, sind dabei aber verzweifelt bemüht, die Illusion einer glücklichen Beziehung aufrechtzuerhalten. Allgemein gilt: Dort, wo die größte Einigkeit vorgeführt werden muss, kriselt es am heftigsten im Pärchenhimmel.

Jede zweite Ehe hält nicht. Hätten Flüge eine fünfzigprozentige Absturzquote, wäre die Lufthansa längst pleite. An der Ehe aber halten alle hartnäckig fest. – Katrin Bauerfeind

Das Pärchentum bringt immer die schlechtesten Eigenschaften des Einzelnen nach oben und produziert deshalb am laufenden Band unglückliche Paare, die wie geprügelte Hunde nebeneinander durchs Leben schleichen. Trauerumflorte Gestalten, die man nur in wenigen Augenblicken, wenn der Partner nicht da ist, kurz und heimlich aufatmen sieht. Menschen, die wie Steine nebeneinander sitzen, die in Pizzerien verzweifelt das Besteck streicheln, um sich nicht anschauen und miteinander sprechen zu müssen. Ihr denkt, ihr seid im Märchen und seid nur blöde Pärchen.

Gerade in Restaurants, im Urlaub und in Hotels kann man die traurigsten Pärchen sehen. Frauen, die sehnsüchtig das Besteck streicheln, träumerisch die Tischdecke befühlen, Männer, die minutenlang die Wandstruktur analysieren, falls sie kein iPhone zur Hand haben, um halbminütlich den Eingang neuer Nachrichten zu kontrollieren.

Es gibt an diesem schrecklichen Valentinstag aber auch Hoffnung. Auf »Spiegel Online« gab es heute die überraschende Schlagzeile: »Jeder Fünfte zieht Haustier dem Partner vor.« Demnach hatte eine Befragung in 23 Ländern ergeben, dass jeder Fünfte am Valentinstag seinen Partner sitzenlassen würde, um mit seinem Haustier Zeit zu verbringen. Das gibt doch Hoffnung auf eine Zeit nach der Pärchendiktatur.

Das Buch

»Liebe – was soll das?« Christiane Rösinger weiß, dass »Menschen, die wie Steine nebeneinander sitzen«, Paare genannt werden und dass damit alles Unglück der Welt beginnt. Die Berliner Songwriterin – Schöpferin so unsterblicher Zeilen wie »Ihr denkt, ihr seid im Märchen und seid nur blöde Pärchen« – hat schon lange den Verdacht, dass es wohl besser ist, alleine zu leben. Ihre theoretische und praktische Forschung auf dem »Arbeitsfeld Liebe« bringt es an den Tag: »Die Liebe macht Menschen zu Idioten«, und das Pärchen ist eine »unterentwickelte Lebensform, bei deren Anblick man nur immer wieder ein tiefempfundenes ›Nein, danke‹ ausrufen will«. Dennoch umgibt uns alle die »Pärchendiktatur«, wie man als Single nicht nur an Krisentagen wie Weihnachten und Silvester merkt oder im Mai, dem »Monat der Überforderung«. Auch an »Orten des Unbehagens« wie der Popcornhölle des Kinocenters, wo sich Hunderte von jungen Paaren romantische Komödien anschauen, fühlt sich der alleinstehende Mensch schnell fremd. Aber Hoffnung naht mit diesem Buch – einer hintergründigen, komischen und vor allem liebevollen Abrechnung mit der Liebe. – Verlagsinfo

Die Leser

Seit Jahren forscht Christiane Rösinger in ihren Songs auf dem weiten Feld der Gefühle. Jetzt hat sie ein schrullig-charmantes Buch über die traurigste Sache der Welt geschrieben: „Liebe wird oft überbewertet“. Christiane Rösinger hat mit schrullig-charmanter Singer-Songwriter-Weisheit über die traurigste Sache der Welt geschrieben. Darüber, dass Beziehungen öfter scheitern als gelingen.

Aufklärerisch ist Rösinger vor allem da, wo sie die Paarbeziehung als alles verschlingende Norm begreift und das Singletum als defizitäres Gegenmodell in Anschlag gebracht sieht. Sämtliche Singleratgeber sprechen von einer „temporären Erscheinung“. Dass jemand das Leben allein aus freien Stücken vorzieht, ohne sich damit als alte Jungfer oder verkappter Schwuler verdächtig zu machen, scheint den heute wieder äußerst wirkmächtigen und diskursanalytisch sicher ertragreichen Kleinfamilien-Konsens zu torpedieren. – FAZ

Jedes Paar ist ein unergründliches Rätsel.
Es bleibt unbegreiflich, selbst wenn
man ein Teil davon ist.
Yasmina Reza

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Steve Wynn – That’s The Way Love Is

Über die romantische Zweierbeziehung hat Christiane Rösinger schon einige herrlich übellaunige Lieder geschrieben. Und nun auch noch ein Buch. Das neue Buch heißt wenig aufmunternd Liebe ist oft überbewertet. Darin versucht Rösinger genau das darzulegen: Warum das Leben auch ohne blöde „romantische Zweierbeziehung“ (von der Autorin als RZB abgekürzt) ganz schön sein kann, und warum Pärchen doof und Beziehungsratgeber bescheuert sind. Das Buch wird im Untertitel zwar als Sachbuch angekündigt, ist aber über weite Strecken angenehm unsachlich.

„Liebe ist wie eine Droge“, sagt Rösinger dann auch. „Am Anfang ganz toll, aber auf Dauer tut’s einem nicht gut und man ist deprimiert. Und dann sollte man damit aufhören.“ Irgendwo im weiten Feld zwischen Kapitalismuskritik, jüngerem Feminismus und generellem Unbehagen am Zeitgeist findet Rösinger ihr Publikum. Das ist allein deshalb verblüffend, weil sie ohne Weiteres eingesteht, auch nur gute Fragen, aber keine besseren Antworten zu haben. „Dann kommen nach einem Konzert junge Mädchen zu mir und erzählen, wie wichtig meine Musik für sie war und wie viel Selbstbewusstsein sie daraus gezogen haben“, erzählt sie, selbst etwas verblüfft. „Und ich denke nur: Wenn du wüsstest wie chaotisch mein Leben ist.“ Aber das sind ja nicht unbedingt schlechte Neuigkeiten. – ZEIT

Mann oder Frau verlieben sich in blond, klug, stark, reich, lieb, was auch immer, aber sobald blond, klug, stark, reich, lieb ein paar Zentimeter zu klein oder zu groß sind, kommt keine Liebe auf! Ist es so? Es ist so! Kein Mann traut sich, eine größere Frau zu lieben – keine Frau lässt sich herab, einen kleineren Mann zu lieben!!! Damit ist statistisch, also unwiderlegbar bewiesen, dass es für die Liebe kein anderes wesentliches Kriterium als ein Maßverhältnis gibt. Size matters! Was also ist von ihr zu halten? Nichts! Jedenfalls nicht mehr als von einem Maßanzug. – Freitag

Liebe aber erzeugt Liebe.
Goethe

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Earl King – Love Can Save The World

Alles außer der Liebe ist überbewertet. Sie ist das Einzige, das die Menschheit vor dem Untergang bewahren kann. Denn wer liebt, will, dass es dem Geliebten gut geht, dass es dem Kind gut geht, der Familie oder dem Freund. Die Paare, die wie geprügelte Hunde nebeneinander herlaufen, tun das meist nicht, weil sie lieben, sondern weil sie leben müssen. Weil sie immer mehr arbeiten müssen, ihnen klar ist, wie hilflos sie im Getriebe des kapitalistischen, geschwürhaften Systems sind und wie gefährdet ihre kleine Liebe in dieser großen kranken Welt ist.

Die Liebe kann nicht hoch genug bewertet werden, liebe Autorin, die Sie vielleicht unglaublich glücklich alleine sind. Unbenommen, das mag es geben. Allein: Es hilft keiner Sau, wenn wir uns alle das letzte Gefühl, das uns retten könnte, abgewöhnen. – Sibylle Berg @ Spiegel

Menschen sind verstreute Inseln im Eismeer der Einsamkeit; Liebe baut Brücken vom Ich zum Du. – Zenta Maurina

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Earl King – Love Is The Way Of Life

Christiane Rösinger

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Je mehr ich las, um so enger wurden meine Beziehungen zur Welt, um so leuchtender und bedeutsamer wurde für mich das Leben. Jedes Buch war wie eine kleine Sprosse, über die ich vom Tier zum Menschen aufstieg. – Maxim Gorki

Herzlich : Rudis Bibliothek : Willkommen

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Autor: Rudi

Ich heisse Rudi Lehnert, bin von Beruf(ung) LifeWorker (Psychologe) und mit Leidenschaft WebWorker und das ist mein Credo : love2live – live2love