Lesenswert : Lebensgeschichten 3

Der Mensch ist dem Menschen das Interessanteste und sollte ihn vielleicht ganz allein interessieren. Alles andere, was uns umgibt, ist entweder nur Element, in dem wir leben, oder Werkzeug, dessen wir uns bedienen. – Goethe

Lebensgeschichten 3

Hier jetzt also der Lebensgeschichten dritte Folge. Wenn Sie lesen = sehen (ja, Lesen öffnet die Augen – und hoffentlich auch Ihr Herz!) wie andere Menschen (über)leben müssen, dann ahnen Sie vielleicht, daß wir hier in Deutschland quasi auf Rosen gebettet sind. Quasi heißt vergleichsweise, also kein absolutes Paradies, aber ein relatives. Wir sind Begünstigte des Schicksals, das uns hier und nicht andernorts in diese Welt entlassen hat. Womit wir eine Verpfichtung haben: das Elend der weniger Begünstigten zu lindern wo immer es geht und von unserem Überfluß an sie abzugeben. Tun wir’s!

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Millionen Menschen,
die einen kurzen Besuch auf der Erde machen

Im Leben umgeben dich unzählige Menschen. Viele nimmst du einen Moment lang wahr, vergißt sie aber sofort wieder. Mit anderen hast du einen kurzen Augenkontakt. Und mit einem Teil dieser Menschen führst du Gespräche. Außerdem hast du deine Familie, deine Freunde und Bekannten, die dir nahestehen. Manche scheiden aus diesem Kreis aus, Zuneigung erkaltet, Verrat läßt Beziehungen enden, Freunde werden manchmal zu Feinden. Aber die allermeisten sind einfach Menschen, die zufällig gleichzeitig mit dir leben. Millionen Menschen, die einen kurzen Besuch auf der Erde machen, der sich mit deinem überlappt. Wer waren sie eigentlich? Ich hätte so viele von ihnen kennenlernen wollen. – Henning Mankell

Die Geisteskrankheit Religion

Nancy: Also wenn ich mich zwischen meiner Mutter und dem Islam entscheiden müsste, dann für den Islam. Das hört sich hart an, aber ich gehe doch nicht in die Hölle wegen meiner Mutter. – ZEIT

Rudi sagt zum Auto adé & zur StraBa olé!

Der Mensch will zur Natur zurück, fährt aber im SUV durchs Wohngebiet. Er will mit weniger Materiellem glücklich werden, muss dafür aber erst mal im Outdoorladen shoppen gehen. Sind wir auf dem richtigen Weg in ein besseres Leben, oder machen wir uns bloß lächerlich?

Und damit wären sie dann wieder bei dem, was wir alle am besten können: Konsumieren. Während wir die Güter, die wir schon besitzen, gar nicht nutzen, weil wir dazu keine Zeit haben, kaufen wir immer neue, wenn sie nur das Richtige versprechen – nämlich dass wir mit ihnen endlich das tun werden, worauf es uns wirklich ankommt, und dadurch authentisch sein können. – ZEIT

! Shoppen bis der Arzt kommt ?

Natürlich wissen wir längst, dass unser Glück nicht vom Besitz von Dingen abhängt. Und besitzen trotzdem viel und immer mehr. Zwei Zahlen, die das Problem umreißen: Gerade einmal 20 Prozent unserer Kleidung werden laufend getragen, hat ein Textilverband geschätzt. Die restlichen 80 Prozent verstopfen die Schränke, auf den nächsten Einsatz wartend – monatelang, jahrelang.

Unsere technische Grundausstattung gilt als Platzfresser erster Güte: PCs, Laptops, DVD-Player, Kameras, ausrangierte Mobiltelefone mitsamt Akkus, Ladegeräten, Kabeln, USB-Sticks… Klar, viel zu viel Technik, denkt sich jetzt der Technikskeptiker, der lieber selbst aktiv wird, als vor dem Bildschirm zu hocken. Aber Sport und Freizeit sind keineswegs harmloser, was den Gerümpel-Grad betrifft, denken wir nur an Fahrräder, Skier, Skateboards, Tischtennisplatten und ein, zwei ausgewachsene Motorradmonturen.

Es ist der Überfluss, der Überdruss schafft. Die Unordnung wird nur dann verschwinden, wenn die vielen überflüssigen Dinge verschwinden. – ZEIT

Die goldene Regel: Nehmen Sie nichts in Ihr Haus auf, das nicht entweder nützlich ist oder das Sie als schön ansehen. – William Morris

Besitz belastet, sagen die neuen Minimalisten. Sie wollen alles wegtauschen, verkaufen, loswerden. Was für ein Unsinn!

Wer nichts besitzt, verleugnet seine Vergangenheit. Wenn ich mir ein Buch leihe und es mir gefällt, steht es bald auch in meinem Bücherregal. Wenn ich bei einem Konzert wie verrückt tanze, kaufe ich mir auf jeden Fall die CD, auch wenn mir die Musik für den Alltag viel zu rockig ist (und ich außerdem ein Spotify-Premium-Abo habe). Manchmal kommt es mir vor, als würde ich die ganze Zeit große und kleine Souvenirs sammeln.

Aber wie soll jemand, der nicht mal bereit ist, ein altes T-Shirt aufzuheben, Menschen die Treue halten? Wer nichts besitzt, offenbart seine Beziehungsunfähigkeit. Besitzer dagegen legen sich fest. Sie kümmern sich, sie reparieren, sie pflegen. Sie signalisieren, dass sie Andenken bewahren und damit nicht nur Dingen die Treue halten, sondern auch dem Erlebten. Auch den dunklen Kapiteln.

All diese Dinge sind für mich heute wie ein Tagebuch, in dem ich ab und an blättere. Mein Besitz erzählt von früher. Er erinnert mich – auch an die Zeiten, in denen ich gescheitert bin, in denen ich krank war, schrecklich unglücklich und knietief im Dispo. Aus der Bindungsforschung ist bekannt, wie wichtig dauerhafte und enge Beziehungen für ein glückliches Leben sind. Ich glaube, dass sich diese Theorie auch auf Dinge übertragen lässt, auf all die Gegenstände, die der Alltag anspült und denen man so treu ist wie den Menschen, die man liebt. – ZEIT

Wir leben in einer verrückten Welt: Menschen sterben vor Hunger, aber Schoßhündchen gehen an Verfettung ein. – Norman Mailer

Ich will Verbote! Wir leben über unsere Verhältnisse. Deshalb brauchen wir jemanden, der uns auf die Finger haut. Liebe Angela Merkel, lieber Staat, liebe EU, liebe Weltregierung, ich fordere euch hiermit auf: Verbietet mir, was ich gerne haben möchte, aber besser nicht haben sollte. Anders ist die Welt nicht mehr zu retten. Verschwendung ist kein Kavaliersdelikt. Niemand hat das Recht, sich mehr zu nehmen, als er braucht.

Wir alle werden es wieder tun: Sachen konsumieren, die nicht sein müssten. Weil wir bequem sind. Weil wir glauben, sie zu brauchen. Weil unsere Freunde sie auch haben. Coffee to go. Kaffee aus der Kapsel. Wieder ein neues Smartphone. Mit dem Auto in die Stadt, weil es nach Regen aussieht. Mehr Bildschirmdiagonale. Im Sommer nach Neuseeland, im Herbst auf die Azoren und von München nach Berlin fliegen, weil’s schneller geht. Die Tomaten sehen schrumpelig aus, schmeiß ich lieber weg. Sollen wir Pizza bestellen? Der Akku ist schon wieder leer. Ich hatte zwar gerade gestern Steak, aber egal, das habe ich mir jetzt verdient.

Die meisten von uns wissen natürlich, dass vieles von dem, was wir kaufen und verbrauchen, nicht gut ist. Und damit meine ich nicht, dass wir davon dick werden und alle möglichen Krankheiten bekommen. Unser Konsum schadet auch uns selbst, klar, aber am meisten schadet er anderen. Denen, die mit uns auf der Erde leben, die wir nicht sehen, weil sie weit weg wohnen. Und denen, die nach uns noch hier leben wollen. In seinem Buch Neben uns die Sintflut wirft der Soziologe Stephan Lessenich den wohlhabenden Staaten vor, die Kosten ihres Lebensstils anderen, ärmeren Regionen aufzudrücken.

Dass weniger Konsum funktionieren kann, ohne dass dadurch die Wirtschaft zusammenbricht, davon sind eine Menge kluger Leute überzeugt. Der britische Ökonom Tim Jackson etwa, der mit Wohlstand ohne Wachstum eine Art Standardwerk zum Thema vorgelegt hat und unter anderem stark verringerte Arbeitszeiten vorschlägt. Was sollte das auch für eine Welt sein, wo es nur läuft, wenn wir möglichst viel kaufen und verbrauchen? Ich weiß nicht, wann es mich das letzte Mal mehr als ein paar Augenblicke lang glücklich gemacht hat, etwas gekauft zu haben. – ZEIT

Seit einem Monat lächelt eine junge Frau im schwarzem Kapuzenpulli von einem riesigen Plakat die Pendler im Zürcher Hauptbahnhof an. Ihre Botschaft: «Meine Dinger. Mein Ding.» Ein paar Schritte weiter noch ein Plakat, diesmal eine Frau mit Nasenpiercing. «Ich mache es für mich», lautet ihr Motto. 9800 Franken soll der neue Busen kosten. Auch auf Facebook wird geworben: So spricht die Lucerne Klinik explizit «Busenfreundinnen» an und bietet Rabatte für Brustvergrösserungen im Doppelpack. Wer sich ins Fernsehen traut, kann die erträumte Oberweite sogar gratis bekommen.

«Für Schönheits-OPs öffentlich Werbung zu machen, ist unverantwortlich», sagt Patientenschützerin Margrit Kessler. Der Wunsch, sich unters Messer zu legen, gehe oft auf Unsicherheiten und psychologische Probleme zurück. Wer da noch jeden Tag am Bahnhof an einem riesigen Werbeplakat vorbeilaufen müsse, werde immer wieder auf geheime Wünsche und Vorstellungen aufmerksam gemacht. Da würden oft unüberlegte Entscheidungen getroffen. – 20 Minuten

„Meine Dinger, mein Ding“ lautete ihre Botschaft.

Wen spricht diese Werbung an?

Sie spricht gezielt Mädchen und Frauen an, die ohnehin Selbstzweifel haben. Als auf Essstörungen spezialisierte Therapeutin behandele ich junge Menschen, meistens Mädchen, aber immer wieder auch Jungs, die ihren Körper ablehnen. Beim Blick auf das Plakat am Zürcher Hauptbahnhof sah ich gleichzeitig all die jungen, an sich zweifelnden Frauen vor mir, die dieses Plakat ebenfalls sehen und sich vornehmen, Geld für eine Operation zu sparen. Sie hoffen, so ihre Selbstablehnung überwinden zu können. Die allgegenwärtige Bilderflut perfekter, mit Photoshop bearbeiteter Körper erzeugt eine zunehmende Verunsicherung und einen Zwang zur Selbstbespiegelung und Selbstdarstellung. – FAZ

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Das Leben gleicht jener beschwerlichen Art zu wallfahrten, wo man drei Schritte vor und zwei zurück tun muß. – Goethe

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Etta James – Life, Love & The Blues

Lebensgeschichten 3

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Autor: Rudi

Ich heisse Rudi Lehnert, bin von Beruf(ung) LifeWorker (Psychologe) und mit Leidenschaft WebWorker und das ist mein Credo : love2live – live2love