Das Leben als Dauerbaustelle

rp_RudiLehnert-TagBaustein_400x300_tn.jpg

Das Leben als Dauerbaustelle

Leben – aber wie? Zum Beispiel in Dankbarkeit, wie uns das der kürzlich verstorbene Neurologe Oliver Sacks vorgemacht hat. Machen wir’s nach. Statt der ewigen Nörgelei darüber, was hier alles schief läuft, mal ein wenig dankbar sein, daß wir an diesem irrwitzigen Abenteuer Leben ein paar Jahrzehntchen teilnehmen dürfen, bevor uns die große Dunkelheit wieder für immer verschluckt.

Sei deiner Mutter dankbar, daß sie dir zu dem Abenteuer: Leben verholfen hat. Es ist ein Abenteuer mit unausweislich letalem Ausgang. Aber einmal zumindest, glaube ich, sollte es doch jeder mitmachen – obschon ich dir nicht recht sagen könnte, warum. – Alfred Polgar

Alejandro-Gonzalez-Inarritu-mit-Oscar_305x380

Auch der mexikanische Regisseur Alejandro González Iñárritu – sein Drama Amores Perros müssen Sie sich unbedingt ansehen! – hat in seinem Interview mit der ZEIT ein paar wertvolle Anregungen für uns, wie wir unser Leben sinn- & würdevoller gestalten können. Tun wir’s!

Sehen Sie, ich bin kein Prediger, kein Friedensguru und kein Missionar. Ich habe zwei Kinder, und ich will nicht, dass ihnen etwas geschieht. Aber ich wünsche mir, dass sie begreifen, wie sehr Verstehen und Vergeben einander bedingen. Was mich wirklich wundert, ist, dass die Kinder das heutzutage nicht beigebracht bekommen. Sie lernen in der Schule, wie sie Geld machen können und dass Zeit Geld ist, sie lernen Mathe, Sport und Computertechnik, im Kindergarten lernen sie, zu essen und zu kacken, sich den Po abzuwischen, aber sie lernen keine Nächstenliebe.

ZEIT: Was war Ihr größter Kulturschock in den USA?

Iñárritu: Dass die Menschen von Plastikgeschirr essen. Dass sie sich mittags den Lunch in diesen Kunststoffboxen kommen lassen und sich nicht die Zeit nehmen, das Büro zu verlassen, um in einem richtigen Restaurant mit richtigem Geschirr zu essen. Und ich kann mir nicht helfen, mir die unvorstellbare Menge Müll auszumalen, die dadurch entsteht. Statt dass die Amerikaner, verdammt noch mal, ein bisschen Geschirr abwaschen. Und ich vermisse das, was wir in Mexiko sobremesa nennen. Die Zeit, die man nach dem Essen noch in Ruhe am Tisch verbringt, mit einem Glas Wein, einer Zigarette, einem Gespräch. In Amerika kommt die Rechnung, und das war’s. Ich kann mich einfach nicht daran gewöhnen.

Deshalb ist The Revenant auch eine Resonanz auf das, was in der Welt geschieht. Es geht um den Umgang des weißen Mannes mit anderen Hautfarben, mit der Natur, den Tieren, dem Leben überhaupt. In dem Film geht es um die Gier, die diese Männer um 1820 in die amerikanische Wildnis zieht und sie mit allem handeln lässt, was ihnen in die Quere kommt: mit Fellen, Tieren, Menschen. Sie zerstören alles, wenn man nur einen Gewinn daraus schinden kann. Letztlich ist das schon der Beginn des Monopolkapitalismus, der Ölkartelle, der Pharmakartelle, der Waffenkartelle, der Nahrungsmittelkartelle.

Ja, ich bin wütend. Na und? Meine Wut gilt einem deregulierten Kapitalismus, der es Konzernen erlaubt, ihrer Gier mit unfassbarer Rücksichtslosigkeit nachzugehen, verantwortungslos gegenüber allen Folgen. Die globalen Konzerne haben mehr Macht als jede Regierung, sie korrumpieren und kaufen alles, nicht nur die amerikanische Demokratie. In diesen Zeiten steht ein radikaler, fundamentalistischer Kapitalismus einer radikalen, fundamentalistischen Religiosität gegenüber. Zwei Ideologien, die sich nicht verändern, geschweige denn weiterentwickeln können, weil sie keinerlei Bewusstsein ihrer eigenen Destruktivität haben. (er haut auf den Tisch) Das ist die Hölle.

Das Schlimmste ist, dass diese Destruktivität auch ins Bewusstsein der Kinder sickert. Gestern erzählte mir ein amerikanischer Freund, seine zehnjährige Tochter wolle nicht nach Paris, weil sie Angst habe, dort umgebracht zu werden. Das ist die Welt, die wir geschaffen haben!

Unser Lebensstil läßt verdammt zu wünschen übrig. Na ja, „Stil“ hat das ja schon lange nicht mehr, was ich da um mich herum so beobachte. Und jetzt tauchen auch noch überall diese hirnlosen Smombies auf, die nichts im Kopf und alles in den Fingern haben. Außer Klicken und Wischen ist da nicht mehr viel. Oder wie sehen Sie das? Jedenfalls gibt’s da Verbesserungsbedarf ohne Ende. Mache also ein jeder sein Leben zur Dauerbaustelle! Lassen Sie Ihren guten Vorsätzen am besten sofort auch gute Taten folgen. Oder wollen Sie damit etwa wieder mal bis Silvester warten? Und wenn Sie beim Tunen Ihres Lebens gerne gute Musik hören, Bluesdiary hat den Soundtrack dazu.

Gegenüber der Fähigkeit, die Arbeit eines einzigen Tages
sinnvoll zu ordnen, ist alles andere im Leben ein Kinderspiel.
Goethe

Rudi-Tag-Muellkippe_400x280

Jeden Tag werden wir grauer.
Ich sehe aber nicht ein, warum das so sein muß.
Ralph Waldo Emerson

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Snowy White’s Blues Agency – Change My Life

Best Blues @ Bluesdiary

When you’re in trouble, the Blues is the man’s best friend.
Otis Spann

Banner-Bluesdiary_480x100

The Blues is the roots and the rest are the fruits.
Willie Dixon

Gelesen 5251 mal von 1161 Besuchern

Autor: Rudi

Ich heisse Rudi Lehnert, bin von Beruf(ung) LifeWorker (Psychologe) und mit Leidenschaft WebWorker und das ist mein Credo : love2live – live2love