Rudis neues Wörterbuch : Quantified Self = Digitale Messies

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Bildung im zwanzigsten Jahrhundert erfordert vor allem
und zunächst die instinktsichere Abwehr überzähliger Informationen.
Hans Kasper

Der Software-Pionier Stephen Wolfram protokolliert seit Jahren seinen gesamten Tagesablauf: „Sammelt so viele Daten wie möglich“, rät er auch uns. Gut, und was soll ich damit? Es läßt sich nicht leugnen: das Internet hat Entwicklungen in Gang gesetzt, über die ein vernünftiger Mensch nur den Kopf schütteln kann. Eine davon heißt Quantified Self, der die ZEIT gleich eine ganze Artikelserie widmet. Für mich sind die Quantified Self Adepten bemitleidenswerte Zwangsneurotiker. Während diese Daten-Messies sich in ihrem Zahlenmüll suhlen, lese ich lieber ein gutes Buch oder gehe ins Kino. Und Sie?

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Sie haben 3.000 Fuel points verdient, Gratulation! Dafür haben Sie bis 16 Uhr drei Kaffee zu viel getrunken, Schluss damit! 7.568 Schritte haben Sie heute gemacht, da geht noch was! Und Vorsicht: Ihre Nacht war nur zu 60 Prozent effizient, brauchen Sie Tipps zum Einschlafen? – ZEIT

Der Endgegner von Quantified Self ist der Tod. Life Clock, eine App für die Apple Watch, zeigt den finalen Countdown: Sie haben noch 57 Jahre, elf Monate, zwei Tage, 14 Stunden und 20 Minuten zu leben. – ZEIT

Finden Sie das lustig? Ich nicht. Finden Sie das nützlich? Ich auch nicht.

ZEIT ONLINE: Herr Wolfram, sind Sie gerade mit irgendwelchen Geräten verbunden?

Stephen Wolfram: Eine Uhr überwacht meine Herzfrequenz und meine Schritte, mein Computer macht alle 15 Sekunden einen Screenshot, meine Tastatur erfasst jeden Tastendruck, ein Mikrofon nimmt die Geräusche um mich herum auf. Ich trage auch eine kleine Ansteckkamera, die alle 30 Sekunden ein Bild schießt. Lassen Sie mich schauen, was ich sonst noch habe. Nein, das scheint alles zu sein. Gerade suche ich noch nach einem Weg, meine Augenbewegungen zu erfassen, aber die entsprechende Software läuft auf meinem Computer leider nicht.

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ZEIT ONLINE: Was machen Sie mit diesen lückenlosen Informationen?

Wolfram: In der Regel absolut gar nichts. Ich speichere sie.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Mir auch. Messies sammeln auch allen möglichen Müll, mit dem sie „absolut gar nichts“ anfangen. Der digitale Messie speichert seinen Müll, der analoge Messie hortet seinen Müll. Die Quantified Self Jünger sind einfach nur eine neue Art Messie. Machen Sie am besten einen weiten Bogen um diese entgleisten Existenzen und passen Sie gut auf, mit wem und womit Sie Ihre kostbaren Lebenstage verbringen. Schalten Sie ab und zu mal alle Smarts & Apps aus und Ihr Gehirn ein – was sagt Ihnen das?

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Jeder Tag ist ein Baustein
für die Ruine oder Kathedrale meines Lebens.
Rudi Lehnert

Quantified Self

Rudis neues Wörterbuch

Und wenn Sie beim vernünftigen und lustvollen Gestalten Ihrer Tage gerne gute Musik hören, Bluesdiary hat den Soundtrack dazu.

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John Mayall & The Bluesbreakers – To Heal The Pain

Best Blues @ Bluesdiary

When you’re in trouble, the Blues is the man’s best friend.
Otis Spann

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The Blues is the roots and the rest are the fruits.
Willie Dixon

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Autor: Rudi

Ich heisse Rudi Lehnert, bin von Beruf(ung) LifeWorker (Psychologe) und mit Leidenschaft WebWorker und das ist mein Credo : love2live – live2love