Édouard Levé – Selbstmord

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Édouard Levé 1.1.1965 – 15.10.2007 – Selbstmord

Das Alter erreicht mich
Die Jugend verlässt mich
Die Erinnerung bewohnt mich
Das Glück überholt mich
Die Traurigkeit verfolgt mich
Der Tod erwartet mich

Ein Buch mit dem Titel “Selbstmord” – wer liest sowas, wer tut sich das an? Ich. Als Psychologe und auch als Mensch interessiere ich mich nun mal brennend für die Grenzerfahrungen und Extremsituationen, die das große Leben uns kleinen Menschen immer wieder zumutet. Und noch brennender interessiert mich, wie ich mich selbst und andere Menschen vor diesen Katastrophen beschützen oder aus dieser Hölle möglichst schnell und heil wieder rausholen kann.

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Bonnie Prince Billy – Death To Everyone

An einem Samstag im August verlässt du in Tenniskleidung deine Wohnung. Deine Frau begleitet dich. In der Mitte des Gartens lässt du sie wissen, dass du deinen Tennisschläger im Haus vergessen hast. Du kehrst zurück, um ihn zu holen, doch statt dich dem Schrank im Flur zuzuwenden, wo du den Schläger normalerweise aufbewahrst, steigst du hinunter in den Keller. Deine Frau bemerkt davon nichts, sie ist draußen geblieben, es ist ein schöner Tag, sie genießt die Sonne. Einige Augenblicke später hört sie einen Schuss. Sie stürmt ins Haus, sie schreit deinen Namen, merkt, dass die Tür zum Keller offen steht, läuft hinab und findet dich. Du hast dir eine Kugel in den Kopf geschossen, mit einem Gewehr, das du sorgfältig dafür präpariert hattest. Du hast auf dem Tisch einen Comicband aufgeschlagen liegen lassen. In ihrer Erschütterung stützt sich deine Frau auf den Tisch, das Buch fällt herunter und klappt zu, bevor sie begreifen kann, dass darin deine letzte Mitteilung war. – Édouard Levé

Das ist der Anfang des Buches, und mit den sechs Zeilen unter dem Foto oben endet es. Dazwischen nichts als Dunkelheit, Schmerz und Elend. Eine harte Lektüre, der man sich am besten nur häppchenweise stellt. Ein hartes Leben, das da brutal beendet wird. Ein hartes Leben, das für die Hinterbliebenen gnadenlos weitergeht.

Blut-Traenen

Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
doch mit dem Tod der andren muss man leben!
Mascha Kaléko

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Tindersticks – Tiny Tears

Hinter dem schlichten Titel verbirgt sich eine intime Auseinandersetzung mit einem der großen Tabus der Menschheit: der Selbsttötung. […] Man sagt, Pilze sind schwer verdauliche Lebensmittel. Bis zu 48 Stunden kann es dauern, bis der Magen sie verdaut. Es gibt Bücher, die sind wie Pilze. So ein Buch ist ‚Selbstmord‘. – Spiegel

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Midnight Choir – Requiem

Entstanden ist ein furioses, in seiner Dichte unvergleichliches Nachtstück über das Dunkle in uns. Und über den nicht mehr zu kittenden Riss, der plötzlich durch unser Leben gehen kann. Große, mit dem Leben bezahlte Literatur. – ZEIT

Der gewöhnliche Selbstmörder schafft es nicht in die Literatur oder in die Schlagzeilen, der prominente schon. Das letzte mir bekannte prominente Opfer – oder besser Täter? – ist Mick Jaggers Freundin L’Wren Scott.

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Mick Jagger & L’Wren Scott

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Rolling Stones – Sympathy For The Devil

Weder Édouard Levé noch L’Wren Scott haben einen Abschiedsbrief hinterlassen. Die Täter – oder besser Opfer? – nahmen ihre Antworten, so sie welche hatten, mit ins Grab. Den Hinterbliebenen bleiben die Fragen. Zum Beispiel die, ob ein Mensch Selbstmord begehen darf.

Kein Mensch hat darum gebeten geboren zu werden.
Bring dich um oder finde dich damit ab.
John Niven

Kann man so sehen, muß man aber nicht. Ich habe auch schon einige extreme Krisen durchlebt und durchlitten, die letzte: in nur eineinhalb Jahren hat der Tod fünf Familienangehörige und zwei Freunde gekillt. Ich habe extrem gelitten und getrauert, aber Suizid stand für mich trotzdem nie zu Debatte. Ich halte es da eher mit Gottfied Benn. Und Sie?

Ich habe immer das Leben gleich angesehen: als tragisch, aber mit der Aufgabe, es zu leben. Ein Satz, den ich vor mehreren Jahren schrieb, spricht es aus: „Das Leben ist ein tödliches Gesetz und ein unbekanntes. Der Mann, heute wie einst, vermag nicht mehr, als das Seine ohne Tränen hinzunehmen!“ Dieses an der Antike gebildete Gefühl stand über jeder meiner Stunden. – Gottfried Benn

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Popa Chubby – Time Is Killing Me

Dein Selbstmord war eine Handlung, die sich zuwiderhandelte: der Ausdruck einer Lebenskraft, die ihren eigenen Tod hervorbringt. […] Reue? Es tat dir leid um diejenigen, die um dich trauern und weinen würden, es schmerzte dich um die Liebe, die sie dir entgegengebracht hatten und die du erwidert hattest… Nur diejenigen, die dich überlebten, würden den Schmerz, den dein Tod verursachte, ertragen müssen. Dieser dem Selbstmord eigene Egoismus gefiel dir nicht. Aber im Vergleich wog die Ruhe des Todes schwerer als die schmerzhafte Unruhe deines Lebens. – Édouard Levé

Édouard Levé – Selbstmord

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Ludwig Hirsch – Komm, großer schwarzer Vogel – R.I.P.

Alle drei Minuten versucht in Deutschland jemand, sich das Leben zu nehmen, alle 47 Minuten gelingt das tatsächlich jemandem. Etwa 11.000 Menschen sterben jährlich durch eigene Hand (wobei zusätzlich von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist), das sind mehr als durch Verkehrsunfälle, illegale Drogen, Gewalttaten und Aids zusammen. – Welttag der Suizidprävention am 10. September

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Eric Burdon – Devil and Jesus

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Autor: Rudi

Ich heisse Rudi Lehnert, bin von Beruf(ung) LifeWorker (Psychologe) und mit Leidenschaft WebWorker und das ist mein Credo : love2live – live2love