Markus Werner – Am Hang – Roman

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Markus Werners Roman “Am Hang” gibt es als Buch, als eBook und als Hörbuch. Ich habe ihn mir als Hörbuch zugemutet. Zugemutet, weil Markus Werner keine leichte Lektüre ist. Markus Werner gehört für mich zu den sensibelsten und intelligentesten Autoren der Gegenwart.

Worum also geht es also in Markus Werners Roman? Um zwei Männer, die sich über das Leben und den Tod, über die Frauen, die Liebe und den Sex, über Seitensprünge und Eifersucht, über Treue und Trennungen, über Gesellschaft und Einsamkeit, über den Lärm und die Stille, über Freunde und Feinde, über Arbeit und Freizeit, über Erfolge und Niederlagen, über Aufstiege und Abstürze, über die Verrohung und Veredelung des Menschen, über den Sinn und Unsinn des Lebens unterhalten. Lauter letzte Fragen also. Wenn Sie sich die auch stelllen, sind Sie bei Markus Werner absolut richtig. Bedeutende und bedeutsame Sätze voll sensibler Beobachtungen, hohe Literatur vom Feinsten – absolut lesenswert!

Ich muss um Nachsicht bitten, sagte ich, ich habe mich Ihnen aufgedrängt und Ihre Kreise gestört. Es fällt mir sehr leicht, Kontakte zu knüpfen, und als extravertierter Mensch laufe ich offenbar manchmal Gefahr, nicht zu merken, dass andere anders sind. Ich fühle mich wohl unter Leuten und bin ungern allein, für mich ist Menschenscheu ein Fremdwort. Wie es sich ohne Umgang lebt und leben lässt, ist mir ein Rätsel. Gut, Sie haben zum Glück noch die Schule, was aber geschieht in der Freizeit? Was tun Sie in den Ferien? Reisen Sie wenigstens manchmal? – Ich halte es mit Ovid, sagte Loos, bene qui latuit, bene vixit. – Das müssten Sie mir übersetzen, sagte ich, ich verstehe leider nur „bene“, Latein war nicht meine Stärke. – Wer gut verborgen war, hat gut gelebt, sagte Loos, aber von solcherlei Wahrheit ahnt das Rudeltier nichts. Im übrigen, so arg allein bin ich nun auch wieder nicht, ich bin ja innerlich vereint, aber lassen wir das. Also, was tue ich in meiner Freizeit? Sie werden staunen, ich tue das, was mir vorschwebt seit meiner Geburt, nämlich nichts. Das gelingt mir natürlich nicht immer, aber ich übe und übe und bin auf dem Weg. Der Klügere gibt nach, sage ich mir und überlasse es den Tätigen, sich gegen die Schwerkraft zu stemmen. – Wie sieht das Nichtstun denn aus, konkret, und wie kann man sich darin üben? fragte ich Loos. – Nun, sagte er, üben heißt hier wie überall: etwas immer von neuem versuchen, bis es gelingt. Nehmen Sie an, Sie liegen auf dem Sofa, am Samstagmittag, und setzen sich das Lernziel, zwei Stunden lang liegen zu bleiben, ruhig, aber ohne zu schlafen. Sie hören, wie eine Nachbarin staubsaugt oder jemand den Rasen mäht. Statt jetzt an Dinge zu denken, die zu erledigen wären, sollten Sie nur die Spinne betrachten, die reglos an der Zimmerdecke sitzt und dabei keinesfalls dem Wunsch nachgeben, sie aus dem Weg zu räumen. Jetzt läutet Ihr Telefon. Als Anfänger springen Sie auf und greifen zum Hörer. Das wäre nur dann bedenklich, wenn Sie aus Ihrem Versagen nichts lernten. Gehen Sie in sich, üben Sie weiter, bis Sie die Freiheit erlangen, auf Außenreize, die Sie zu einem Tun verleiten wollen, nicht mehr zu reagieren.

Ich verstehe, sagte ich, aber wozu das alles, was ist der Sinn der Übung? – Vielleicht, sagte Loos, erfahren Sie zwei Stunden lang, wie es sich anfühlt, kein Sklave zu sein, wie friedlich es in Ihnen wird, wenn Sie das Dauergefühl, etwas zu müssen, für eine Weile verlieren. – Markus Werner: Am Hang

Die Ehe entspricht nur wenigen und überfordert die meisten.
Markus Werner

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Vergessen Sie das Vergessen nicht, sonst werden Sie verrückt.
Markus Werner

Markus Werner

Rudi liest & hört

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Autor: Rudi

Ich heisse Rudi Lehnert, bin von Beruf(ung) LifeWorker (Psychologe) und mit Leidenschaft WebWorker und das ist mein Credo : love2live – live2love