Von T-Mobile web’n’walk zu T-Home Entertain

T-Home-Entertain_400x200.jpg

Die Freenet-Misere

Gestern am Rosenmontag gab’s für mich auch was zu Lachen, nicht wegen Karneval, sondern weil ich endlich wieder einen schnellen DSL-Anschluß habe. 14 schier endlos lange Monate dauerte meine Kommunikationsmisere, und das im hochtechnisierten Deutschland. Mitten im digitalen Zeitalter katapultierte mich Freenet kommunikationsmäßig in die Steinzeit zurück: ich war monatelang ohne Internet und Telefon, mußte mich in Internet-Cafés und mit dem Handy rum- und durchschlagen. Unfreiwillig wurde ich vom Bürohengst zum Road Warrior, vom Schreibtischtäter zum Straßenkämpfer befördert.

Alles begann damit, daß ich auf ein verlockendes Angebot reinfiel und einen Zweijahresvertrag für Freenet DSL 16.000 unterschrieb. Die Freude über das neue Highspeed-DSL war von kurzer Dauer. Kaum hatte ich gewechselt, schon ging der Ärger los. Bereits am 15. Dezember 2007 verkündete ich hier: Freenet komplett – versagt komplett! Und dabei blieb es dann auch. Meine komplette Freenet-Leidensgeschichte habe ich hier ausführlich dokumentiert: Freenet zieht den Schwanz ein – und fährt ihn wieder aus. Der Vollständigkeit halber: Freenet hat den ausgezogenen Schwanz offenbar wieder eingefahren, ich habe natürlich nichts bezahlt und von den Freenet-Anwälten bis heute nichts mehr gehört.

webnwalk-Stick_330x230.jpg

Freenet adé – web’n’walk allez!

Da Freenet meinen DSL-Port nicht freigab und bis heute auf dem Zweijahresvertrag beharrt, konnte mir die Telekom zunächst mal kein neues DSL einrichten. Also kam ich im August 2008 auf die glorreiche Idee, statt übers Festnetz übers Mobilnetz ins Internet zu gehen: Freenet adé – web’n’walk allez! jubilierte ich am 5. August 2008. Auf ein halbes Jahr Erfahrungen mit web’n’walk blicke ich nun also zurück. Gute wie schlechte, gemischte Erfahrungen eben. Ich fasse kurz zusammen, was Sie bei T-Mobile web’n’walk beachten sollten.

Der Tarif Connect L läuft über zwei Jahre und kostet Sie 39,95 Euro pro Monat. Wenn man Ihnen sagt, das sei eine Flatrate, ist das nur die halbe Wahrheit: Sie können zwar ohne Zeitlimit ins Netz, aber es gibt ein Transferlimit von 5 GB pro Monat. Das hat man mir beim Verkaufsgespräch im T-Point-Laden hier in Karlsruhe verschwiegen, obwohl ich mehrfach ausdrücklich danach fragte, ob das wirklich eine echte Flatrate sei und keinerlei weitere Kosten auf mich zukämen. Natürlich! hieß es immer wieder. Im Kleingedruckten ist dann freilich zu lesen:

Ab einem Datenvolumen von 5 GB pro Monat wird die Bandbreite im jeweiligen Monat auf maximal 64 kbit/s (Download) und 16 kbit/s (Upload) beschränkt.

Aber wer liest schon Kleingedrucktes vor Ort im Geschäft? Mit 64 kbit/s Download und 16 kbit/s Upload können Sie Ihren Rechner dann getrost vergessen und Ihren Arbeitsplatz wieder ins Internet-Café verlegen.

GROSS und in einem rot hinterlegten Rahmen wird dagegen herausgestellt:

Mit maximal bis zu 7,2 Mbit/s surfen und downloaden – entspricht ca. DSL 6000. — Highspeed Surfen über Mobilfunk

Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Über 1,5 Mbit/s kam ich nie hinaus! Das sollten Sie also wissen über

web’n’walk Connect L

  • Zweijahresvertrag mit 39,95 Euro pro Monat
  • 5 GB Datentransfer pro Monat
  • „Highspeed“ heißt im Klartext: etwa 1,5 Mbit/s

T-Home-Media-Receiver_400x260.jpg

Das Objekt der Begierde: T-Home Entertain

Parallel zum Erwerb des web’n’walk-Sticks kümmerte ich mich um den Erwerb eines neuen Telefonanschlusses. Denn mit einem neuen Telefonanschluß – so klärte mich die Telekom auf – könne ich auch wieder einen neuen DSL-Anschluß von ihnen haben. Das hieß allerdings, daß ich meine gewohnten Telefon- und Faxnummern endgültig abschreiben konnte. Die waren immerhin über 30 Jahre in Umlauf und standen in unzähligen offiziellen und privaten Verzeichnissen. Bitter, aber unumgänglich, da Freenet ja fest entschlossen war, sich den Arsch auf meinem DSL-Anschluß wundzusitzen.

Also mußte ein neuer Telefonanschluß her. Das ging noch relativ zügig und problemlos. Dann aber ging auch mit der Telekom der Ärger wieder so richtig los bzw. einfach wie gehabt weiter. Innerlich wetzte ich bereits das Messer und feilte an einem neuen rattenscharfen Artikel:

Von Freenet zu Telekom – vom Regen in die Traufe

Ich sammelte eifrig Material, hielt mich aber immer wieder zurück, den Artikel abzuschließen und hier zu veröffentlichen, mahnte mich zur Geduld mit den Leuten, gab ihnen immer und immer wieder noch eine und noch eine Chance.

Was war passiert? Das. Ich hatte also den neuen Telefonanschluß und wollte den jetzt – das war ja schließlich der Sinn der Übung – um den DSL-Anschluß „T-Home Entertain“ erweitern. Eine einfache Sache, sollte man meinen, zumal mir ja für die neue Telefonnummer auch ein neuer DSL-Anschluß zugesagt worden war. Der Eingang meines Wunschzettels wurde auch prompt bestätigt, aber meine Wünsche blieben monatelang unerfüllt. Statt dessen bekam ich ab dem 19. September 2008 von der Telekom monatelang ein gutes Dutzend Mails mit immer dem gleichen Wortlaut:

Betr.: Mein T-Home – Zwischeninformation

Sehr geehrter Herr Lehnert,

vielen Dank für Ihre E-Mail.

Geben Sie uns bitte etwas Zeit, um Ihr Anliegen zu bearbeiten. Sie erhalten so schnell wie möglich eine Antwort.

Bei Rückfragen per E-Mail geben Sie bitte unser Zeichen tco-XXXXXX an.

Mit freundlichen Grüßen
Deutsche Telekom AG
Kundenservice

„Kundenservice“? So sieht der bei der Telekom also aus? Darunter hatte ich bisher etwas anderes verstanden, aber man lernt ja nie aus. Fragte ich ab und zu mal empört nach, wer hier eigentlich wie lange noch was zu „bearbeiten“ gedenkt, gab’s als „Antwort“ dann eine kleine Variation des oben zitierten Geduld-Themas:

Ihr Anliegen wird von uns bearbeitet. Bitte haben Sie noch ein wenig Geduld. Wir melden uns bei Ihnen, sobald dieses erledigt ist.

Abwechslung erfreut. Nur mich halt nicht, denn mit Freenet hatte ich ja schon mehr Abwechslung gehabt als mir gut tut. Also brodelte und gärte der Artikel „Von Freenet zu Telekom – vom Regen in die Traufe!“ in mir munter weiter vor sich hin, die reinste Giftküche. Doch selbst wenn ich der Telekom das wohlverdiente Gift endlich injizierte hätte – einen DSL-Anschluß hätte ich damit immer noch nicht. Also setzte ich mich hin und schrieb einen langen flehentlichen Brief an die Telekom und verschickte ihn per Snailmail als Einschreiben mit Rückschein. Den Rückschein hatte ich nach ein paar Tagen unterschrieben wieder in Händen und neue Hoffnung keimte in mir auf, daß mein irdischisches Flehen nach dem göttlichen DSL nun endlich erhört würde. Ein gewaltiger Irrtum. Ich erhielt nie eine Antwort, geschweige denn einen DSL-Anschluß. Also schickte ich den Bittbrief nach ein paar Wochen noch einmal los. Dasselbe Ergebnis = Null Ergebnis = keine Antwort und kein DSL.

Völlig entnervt klagte ich meinem Anwalt:

Habe mit der Telekom auch wieder viele miserable Erfahrungen gemacht. Warum nur funktionieren diese „Dienstleister“ alle nicht??? Sind diese Typen alle nur unendlich faul und desinteressiert oder aber tatsächlich völlig verblödet im Kopf und daher absolut überfordert mit den Arbeiten, für die sie ja schließlich eingestellt wurden?

T-Mobile & T-Home – zwei verfeindete Brüder

Parallel zu diesem neuerlichen Irrsinn mit T-Home „kommunizierte“ ich auch mit T-Mobile: Ob es denn möglich wäre, fragte ich höflich an, von T-Mobile web’n’walk zu T-Home Entertain zu wechseln? Für mich war das ein Upgrade oder Update, was ja im digitalen Zeitalter überall und jederzeit problemlos möglich ist. Nur bei der Telekom eben nicht. Ich stieß auf taube Ohren, dafür rissen sie das Maul weit auf und belehrten mich: T-Mobile und T-Home gehörten zwar beide der Telekom, hätten aber nichts miteinander zu tun. Das verstehe wer will. Ich versteh’s nicht – und Sie? Aus dem T-Mobile-Vertrag käme ich nicht raus, ich müßte ihn bis zum bitteren Ende im August 2010 weiter erfüllen und monatlich 39,95 berappen, obwohl ich den web’n’walk-Stick nicht mehr brauche, sobald ich T-Home Entertain habe.

Im Klartext: Nehmen Sie gefälligst zur Kenntnis, daß unsere Firmen untereinander nicht in einem freundlichen Kooperations-, sondern in einem feindlichen Konkurrenzverhältnis stehen. Wir brauchen Abschlüsse um jeden Preis, und dabei gehen wir auch über Kundenleichen. Ihre Bedürfnisse stören unsere Bilanzen. Also gehen uns Ihre Wünsche kapitalistisch gesehen logistisch am Arsch vorbei. Wo Ihre Unterschrift steht, rollt Ihr Kopf, und wir sind das Schafott! Kurz und gut::

Wir wollen Ihre Kohle ! und das um jeden Preis

Weihnachten drohte. Mit langen Feiertagen, an denen ja bekanntlich niemand arbeitet. An anderen Tagen auch nicht, wie man hier sieht, aber was soll’s, mit der Zeit gewöhnt man sich fast dran, daß man der einzige wahrhaft Werkende und Wirkende auf diesem wüsten Wüstenplaneten ist. I Am Legend möchte man mit Will Smith stöhnen. Und so hatte denn auch der Nikolaus wie erwartet kein DSL im Sack für mich und auch das Christking flog ohne DSL an mir vorbei. Dafür wurde von der Hausverwaltung noch vor Weihnachten beschlossen: Unser Wohnblock wird gleich Anfang 2009 von Kabel BW komplett verkabelt. Licht am Horizont? Digitale Morgendämmerung? Die große DSL-Götterdämmerung gar? Superman Kabel BW wird’s also richten. Gleich nach Weihnachten. Ach wie schööön…

! Kabel BW – Das Ende der DSL-Finsternis ?

Leider nein. Denn als ich der Sache gleich nach den Feiertagen auf den Zahn fühlte, stellte sich heraus, daß der faul war. Nach einigem Hin und Her bekannte Kabel BW mit dem Rücken zur Wand:

Sehr geehrter Herr Lehnert,

vielen Dank für Ihr Schreiben.

Für Ihren Wohnort steht noch kein Modernisierungstermin fest. Wir informieren Sie, sobald wir einen Termin haben.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen
Kerstin XXXXXX
Ihr Kundenservice

Verständnis? Bestimmt nicht! Nehmen wir mal an, Sie sind mein Kunde, haben mir schon vor Wochen einen Auftrag für ein Facelifting Ihrer Homepage erteilt und wollen vom WebWorker Rudi jetzt mal wissen: Wann haben Sie meine Webseite denn nun endlich fertig? Daraufhin ich:

Sehr geehrter Herr Ungeduld,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Für Ihre Homepage steht noch kein Modernisierungstermin fest. Ich informiere Sie, sobald ich einen Termin habe.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen
Rudi WebWorker

Haben Sie dafür Verständnis? Wohl kaum. Aber so „arbeiten“ deutsche Internet-Anbieter heutzutage. Und das sind keineswegs bedauerliche Einzelfälle, das ist die Regel, wie ich es hier mit unzähligen eigenen bitterbösen Erfahrungen belege und wie ich es mit Dutzenden anderen „Kundenservice“- und „Hotline“-Geschädigten belegen kann. Die Verbraucherzentralen landauf landab dürften problemlos in dieses Klagelied mit einstimmen. Endlos lange Klagegesänge durchziehen die wahrhaft wüste Servicewüste Deutschland. Völker hört die Signale! Provider erlöst die von euch Geplagten endlich von eurer grenzenlosen Ignoranz und Inkompetenz! Amen. Wer macht das Licht aus?

T-Home-Engel_300x360.jpg

angels @ pix2day

! Es werde T-Home Entertain !

Ich hatte schon alle Hoffnung fahren lassen und mich auf ein karges Leben in digitaler Finsternis beim spärlichen Kerzenlicht meines web’n’walk-Sticks eingerichtet, da öffneten sich die schwarzen Himmel und ein Engel erbarmte sich meiner und strahlte mich an: Es werde DSL! Was war geschehen? Das. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich euch morgen erzähle… See you tomorrow!

Wissenswert

Rudi bloggt

Ihnen hat dieser Artikel gefallen und wertvolle Informationen geliefert? Sie möchten wissen, worüber ich morgen schreibe? Dann abonnieren Sie doch einfach den blog-O-rama-RSS-Feed, damit Ihnen meine Tipps und Empfehlungen auch künftig Ihr reales und digitales Leben erleichtern und versüßen. Danke!

Rudi bloggt @ WebKompass

Gelesen 12005 mal von 3078 Besuchern

Autor: Rudi

Ich heisse Rudi Lehnert, bin von Beruf(ung) LifeWorker (Psychologe) und mit Leidenschaft WebWorker und das ist mein Credo : love2live – live2love