Im Niemandsland zwischen Leben und Tod

Blut-Traenen.jpg

Wir ordnen’s, es zerfällt.
Wir ordnen’s wieder – und zerfallen selbst.

Rainer Maria Rilke

Den letzten Beitrag hier schrieb ich am 11. Oktober, also vor langen acht Wochen. Das hat seine schlechten Gründe: Tod, Tod, Tod, Tod und noch einmal Tod. Tod meiner Tante (sprich zweiter Mutter), Tod meines Vaters, Tod meiner Mutter, Tod meines Rechtsanwalts und Freundes Reiner, Tod meines Vetters Willi. Damit habe ich fünf Tote in nur einem einzigen Jahr begraben. Rein statistisch gesehen, möchte man meinen, ist das unmöglich. Aber wie Toyota weiß und wie uns das Leben lehrt: Nichts ist unmöglich.

Damit sieht die Liste meiner Verluste nun so aus:

! Memento !

Florentine Pawlitza 25.6.1930 – 23.7.2005
Rudolf Lehnert 17.8.1920 – 6.11.2005
Julie Lehnert 25.4.1923 – 28.4.2006
Reinhardt Hartmann 17.12.1948 – 5.5.2006
Willi Lehnert 4.8.1949 – 5.10.2006

! Ich werde euch nie vergessen !

Ich trauere um meinen Vater, meine Mutter, meine Tante, um Reiner und um Willi. In nur einem einzigen Jahr habe ich gleich fünf mir sehr liebe Menschen verloren, die ich nie mehr wiedersehen werde. Der Tod hat in meinem Leben wahre Fließbandarbeit geleistet. Die Liste meiner Verluste wird länger und länger, der Tod zieht seine Kreise enger und enger, auch um mich. Wann werde ich dran sein? Und wo und wie? Und welche Scheußlichkeiten hat dieses Scheusal Tod für mich vorgesehen?

Vorgestern Abend starb jetzt zu allem Überfluß auch noch ein Nachbar und guter Freund meiner komplett ausradierten Familie: 61 Jahre, Herzinfarkt. Seine Frau und seine drei Kinder werden nun ohne ihn Weihnachten feiern müssen. Schlag auf Schlag, Tod auf Tod. Wer hält es schon aus, ständig derart niedergeknüppelt zu werden? Wozu noch aufstehen, wenn der nächste Tiefschlag schon auf einen lauert? Also blieb ich morgens oft liegen. Kraft- und saftlos, ausgepowert und ausgebrannt. Absolut unfähig, in diesem mörderischen Labyrinth aus Krankheit, Siechtum, Tod, Verwesung und Verzweiflung zu meiner alten Form oder gar Hochform zurückzufinden. Gelähmt vor lauter Verzweiflung, Angst und Entsetzen, stumm vor Trauer und Schmerz. Wochenlang habe ich mit keinem einzigen Menschen geredet. Wer könnte auch nur annähernd nachvollziehen oder gar verstehen, wie ich mich fühle und was in mir vorgeht, nachdem ich für immer und ewig fünf mir sehr liebe Menschen verloren habe. Ich kenne niemanden, der in nur einem einzigen Jahr gleich fünf Tote zu beklagen hat. Ich stinke förmlich nach Tod und Verwesung. Wer will mit so jemandem schon etwas zu tun haben, zumal jetzt an Weihnachten, wo jeder feiern und fröhlich sein will. Also halte ich mich bedeckt und allein. Mit blutenden Augen und gebrochenem Herzen orientierungslos herumirrend irgendwo im Niemandsland zwischen Leben und Tod, weder hier noch dort zu Hause.

Der Tod hat mein Leben in ein einziges Trümmerfeld verwandelt, in einen Schlachthof, in dem das Blut satt und fett von Decken und Wänden trieft. Ich wate Tag für Tag durch einen mörderisch stinkenden Sumpf aus Verzweiflung, Verfall und Verwesung. Nun will ich mit gebrochener Kraft und dem Mut der Verzweiflung versuchen, dieser elenden Bestie Tod wieder etwas Leben entgegenzusetzen, mich langsam wieder aufzurappeln und die ersten zaghaften Gehversuche zu unternehmen. Ob’s mir gelingt, wissen Tod und Teufel. Aber das hier ist zumindest ein Anfang, der vorsichtige Versuch eines Ausbruchs aus der Sprachlosigkeit des Entsetzens.

Midnight Choir – Requiem

http://bluesdiary.com/wp/audio/Midnight_Choir_-_Requiem.mp3

I know how hard you dream
I know how hard it seems
I know where the blow hurts
Yeah, I know where it hurts

Don’t you know we’ve been down this road before?
Don’t you know the sky won’t leave you lonely?
It cries

Don’t you think it’ll heal?
Don’t you know that you steal?
Don’t you know that I’m a liar?
With a pain in my shoe

Don’t you know we’ve been down this road before?
Don’t you know the sky won’t leave you lonely?
It cries

Don’t you know the clouds won’t break?
You could start with no hate
I’ve seen a coward and I’ve seen a king
Sometimes they can be both things

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Autor: Rudi

Ich heisse Rudi Lehnert, bin von Beruf(ung) LifeWorker (Psychologe) und mit Leidenschaft WebWorker und das ist mein Credo : love2live – live2love