„Hilfe“ ist nicht Hilfe

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Kürzlich bekam ich von einer jungen, sehr sensiblen Bloggerin eine Mail. Ein Link wird hier nicht gesetzt, da ich die Anonymität dieses jungen, verzweifelt seinen Weg suchenden und sicherlich sehr fragilen Lebens, das noch auf ziemlich schwachen Teeny-Beinchen steht, nicht stören und schon gar nicht zerstören will. Andererseits ist das Thema unseres Dialoges doch auch wieder so wichtig (ich bekam schon mehrere Fragen und Mails in dieser Richtung), daß es offenbar viele angeht und viele somit vielleicht auch etwas für ihr Leben mitnehmen können.

Die Frage:

Allem Anschein nach bist du also Psychologe. Ich habe lange gebraucht, um zu entscheiden, ob ich dir diese Nachricht schreiben soll. Heute geht es mir ziemlich gut, also wage ich es.

Mir wurde von einem Blogger empfohlen, mich wegen meiner leichten Depressionen in Behandlung zu begeben. Der Glaube an Gott (den ich momentan nicht unbedingt habe) kann mir nicht helfen. Er hat dazu mit meinem Einverständnis einen Blogeintrag verfasst: (XXX – SORRY, siehe oben.) Ein Freund hingegen ist der Überzeugung, dass er ein Atheist sei und nur den Glauben zerstören will.

Wie siehst du das und bist du ebenfalls der Meinung, dass ich mich in Behandlung geben sollte?

Liebe Grüße, Carmelita (hübscher Name, siehe oben)

P.S.: Hätte ich dich jetzt eigentlich Siezen sollen?

Meine Antwort:

Hi Carmelita,

du kannst getrost du sagen, ich bin da völlig unkompliziert, du brauchst mich also nicht zu Siezen, so etwas steigert weder mein Selbstwertgefühl noch hebt es meine Lebensqualität… – okay?!

Ich kann mir nicht anmaßen zu entscheiden, ob du psychologische Beratung brauchst oder nicht. Solche Blitz- und Ferndiagnosen sind nicht meine Sache. Dein Leben selbst und deine seelische und körperliche Befindlichkeit sollten dir allerdings signalisieren, ob alles okay ist oder ob es da Baustellen gibt, an denen dringend gearbeitet oder nachgebessert werden sollte. Und dann muß nicht an jeder Baustelle gleich ein Facharbeiter oder Meister ran. Besinne dich erst einmal auf deine eigenen Kräfte und setze die entschlossen, konzentriert und zielbewußt ein – damit allein kannst du schon halbe Revolutionen in Gang setzen!

Wenn du allerdings wirklich merkst, daß deine körperlichen, geistigen und seelischen Ressourcen nicht ausreichen, die anstehenden Probleme zu bewältigen, solltest du tatsächlich erwägen, fremde Hilfe hinzuzuziehen. Aber damit hast du dann ein weiteres Problem, denn „Hilfe“ ist nicht Hilfe! Es sind da für meinen Geschmack einfach zu viele Rattenfänger unterwegs, die entweder scharf auf deine Seele oder auf deinen Geldbeutel oder auch auf beides sind. Und dann gibt es da auch noch die kompletten Idioten, die tatsächlich selbst an den Schwachsinn glauben, den sie munter verbreiten. (Ich kann hier keine Namen nennen, sonst handle ich mir unzählige Verleumdungs-, üble Nachrede-, Beleidigungs- und Unterlassungsklagen ein, mit der Justiz verstehe ich mich nicht so gut, weil das Recht – von Gerechtigkeit sprechen wir hier nicht – leider auch nur allzu oft auf der Seite der Idioten ist.)

Grundsätzlich: Wegen „leichter Depressionen“ begibt sich kein vernünftiger Mensch in Behandlung. Was glaubst du wohl wie oft auch ich traurig und verzweifelt bin? Diese (Miß-) Stimmungen gehören absolut zum Leben und dürfen nie und nimmer „wegtherapiert“ werden. Du mußt im Gegenteil lernen, diese Verstimmungen auszuhalten und konstruktiv mit ihnen umzugehen. Sie sind so etwas Ähnliches wie Feuermelder, die dich darauf aufmerksam machen, daß es in deinem Leben irgendwo brennt. Und kein vernünftiger Mensch würde doch wohl die Feuermelder zertrümmern, oder?! Der Brandherd muß dein Ziel sein! Folge also dem Rauch und du wirst das Feuer finden…

Love your life & live your love!
Rudi Lehnert

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Autor: Rudi

Ich heisse Rudi Lehnert, bin von Beruf(ung) LifeWorker (Psychologe) und mit Leidenschaft WebWorker und das ist mein Credo : love2live – live2love